Was Sie über Osteopathie wissen sollten...


Die osteopathische Medizin dient der Erkennung und Behandlung von funktionellen Störungen. Diagnose und Therapie erfolgen mit spezifischen osteopathischen Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden. Die Anwendung osteopathischer Medizin setzt genaueste Kenntnisse der Anatomie und Physiologie voraus. Zu den Grundlagen der Osteopathie zählen die Einheit des menschlichen Körpers, die wechselseitige Abhängigkeit von Struktur und Funktion, sowie die selbstregulierenden Kräfte im Körper.

Der Begünder der Osteopathie ist Dr. Andrew Taylor Still ( 1828-1917 ). Er gründete 1892 in Kirksville, Missouri / USA die "American School of Osteopathie". Ein Schüler Stills, J.M. Littlejohn, brachte die Osteopathie nach Großbritannien, von dort breitete sie sich in die Benelux-Staaten und nach Frankreich aus, wo sie schon seit vielen Jahren professionell und erfolgreich in Praxen angeboten wird. Seit Ende der 80er Jahre gibt es Osteopathie- Schulen in Deutschland.

Die Osteopathie geht davon aus, dass der Körper aus drei großen, sich gegenseitig beeinflussenden Systemen besteht: der Bewegungsapparat (parietale O. /Knochen, Muskeln, Bindegewebe, Faszien und Körperflüssigkeiten), die inneren Organe (viscerale O.) und das craniosacrale System (craniosacrale O./Nervensystem), das W.G. Sutherland (1873-1954), ein Schüler Stills`, Anfang des letzten Jahrhunderts beschrieb.

Parietale Osteopathie: Die parietale O. konzentriert sich auf sie Behandlung von Muskeln und Sehnen mittels Dehnungen, sowie auf die Behandlung blockierter Gelenke mit Muskelspannungs-/ energietechniken und /oder auch Chiropraxis.

Viscerale Osteopathie: Die viscerale Osteopathie konzentriert sich auf die Behandlung des Bewegungsspielraumes zwischen den einzelnen Organen und deren zuführenden und verbindenen Strukturen und auf deren Spannungszustand, um die natürlichen Rhythmen und Bewegungen der Organe zu unterstützen.

Cranielle Osteopathie: In der craniellen Osteopathie arbeitet man am Kopf (cranium) und am Kreuzbein (sacrum), es wird aber auch am und im ganzen Körper behandelt. Die Arbeit des Therapeuten ist mit blossem Auge kaum sichtbar, denn über leichten Kontakt mit seinen Händen erspürt er eine feine Bewegung in einem bestimmten Rhythmus, den W.G. Sutherland den "Atem des Lebens" (primär respiratorischer Mechanismus/PRM) genannt hat .

Weil...

  • dieser Rhythmus unabhängig von Herz, Kreislauf und Atmung ist
  • sich dieser Puls am ganzen Körper, in allen Zellen ausdrückt
  • dieser Rhythmus in gewisser Weise unseren Vitalitäts- und Gesundheitszustand abbildet
  • sich darin ein physiologischer und dynamischer Zustand unseres Körpers und unseres Geistes widerspiegelt.

"PRM" umschreibt biologisch-dynamische Prozesse bis in jede einzelne Zelle unseres Körpers und ist keine irgendwie angedichtete esoterische Erscheinung! Sutherland schreibt diesem Rhythmus generell harmonisierende und dynamische Effekte für das Funktionieren unseres Körpers, seiner Gehirn-, Organ, - und Stoffwechselfunktionen zu. Dieser vermittelt dem Behandler ein Bild vom Zustand unserer körperlichen und psychischen Verfassung.

Diese großen Systeme beeinflussen sich gegenseitig, und nur wenn sie ohne Einschränkung funktionieren ist "sich wohlfühlen, Gesundheit" möglich.

Unfälle, Entzündungen, falsche Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten können diese Harmonie beeinträchtigen. So können beispielsweise blockierte Brustwirbel Herzprobleme und eine gestörte Nierenfunktion Rückenschmerzen verursachen.

Anhand einer ganzheitlichen osteopathischen Diagnostik und der daraus resultierten Behandlung werden die Selbstheilungskräfte (Autokorrektion) des Körpers aktiviert, wobei der Osteopath ausschließlich mit seinen Händen arbeitet.

Wann kann Osteopathie helfen?

Osteopathie kann bei zahlreichen Funktionsstörungen des Körpers eingesetzt werden, selbst wenn diese schon längere Zeit bestehen. Altersbeschränkungen bestehen grundsätzlich nicht. Auch Säuglinge und Kinder mit Problemen, die z.B. durch eine Verletzung während oder nach der Geburt entstanden sind, zählen zu den typischen Patienten für die Osteopathie.

Einige Krankheitsbilder, bei denen die O. in Frage kommen kann:

  • akute/ chronische Schmerzen und Blockaden des Bewegungsapparates
  • Bandscheibenvorfälle
  • Funktionskrankheiten wie Schmerzsyndrome durch unökonomische Haltungs- und Bewegungsmuster z.B. Arbeitsplatzbedingt
  • Kopfschmerz, Schwindel, Tinnitus
  • Stirnhöhlen- und Ohrprobleme
  • Kiefergelenkstörungen
  • Fehlfunktionen von inneren Organen
  • Vegetative und Viscerale Dysfunktionen z.B. internistische Probleme wie Verdauungsstörungen, Inkontinenz
  • Gynäkologische Probleme z.B. prämenstruelles Syndrom
  • Atemwegserkrankungen
  • Unterstützend bei Immunschwächen, Allergien
  • Stressabhängige Verspannungssymptome und Schmerzen
  • Kinderheilkunde ( z.B. Schiefhals, Verdaungsprobleme, Schreikinder & & siehe oben )

Diese Liste ist bei weiten nicht vollständig, sie gibt nur Beispiele an.

Die Ausbildung zum Osteopathen in Deutschland dauert berufsbegleitend 5 Jahre. Nur als Arzt oder Heilpraktiker kann die Osteopathie verordnungsunabhängig durchgeführt werden.Um damit zu beginnen muß man Arzt, Physiotherapeut oder Heilpraktiker sein. Am Ende wird eine Prüfung abgelegt und man kann eine wissenschaftlische Arbeit verfassen, um D.O. (Diplom Osteopath) zu werden.

Aus rechtlichen Gründen wird darauf hingewiesen, dass in der Benennung der beispielhaft aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen kann. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapierichtung (Osteopathie) selbst. Nicht für jeden Bereich besteht eine relevante Anzahl von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen, d.h. evidenzbasierten Studien, die die Wirkung bzw. therapeutische Wirksamkeit belegen.